Tuesday, 13 January 2015

Reisebericht Vietnam Teil 2: Hue & Hoi An


Tag 5: 23.12.2014


Der Wecker läutete bereits um halb sechs in der Früh. Nach einem schnellen Frühstück ging es um 06:15 auf zum Flughafen um nach Hue zu fliegen. Dort kamen wir um 10:00 Uhr an. Da man erst gegen 12:00 einchecken konnte, deponierten wir unser Gepäck  und machten uns auf den Weg um die Zitadelle der Stadt zu erkunden. Eine Vietnamesin bot uns an, uns für 1 US Dollar pro person mit dem Boot über den Fluss zu fahren, welcher zwischen unserem Hostel und der Zitadelle lag. Als wir bereits auf dem Boot waren wollte sie jedoch mehr Geld, da wir aber nicht bereit waren, mehr für die kurze Überfahrt zu zahlen, liess sie uns an der nächst besten Stelle am gegenüberliegenden Ufer wieder aussteigen und wir mussten uns den Weg zurück zu einer begehbaren Strasse selber suchen.

Die Zitadelle fanden wir schlussendlich zum Glück trotzdem. Ausserhalb davon war von den USA zurückgelassenes Kriegsgerät ausgestellt. In der Zitadelle selber erstrahlten einige restaurierte Tempel  in alter Pracht. Viele der ehemaligen Gebäude konnten jedoch noch nicht wieder aufgebaut werden, nachdem sie im Vietnam Krieg zerstört wurden.




Tag 6: 24.12.2014


Heute stand die Tour durch die ehemalige entmilitarisierte Zone (Demilitarized Zone – DMZ) zwischen Nord und Süd Vietnam auf dem Programm. In weiser Voraussicht haben wir nicht die „Standard-Hostel-Touri“ Tour gebucht, welche schon um 06:00 Uhr in der Früh startet. Auf Tripadvisor haben wir eine private Tour mit einem Vietnam Kriegsveteran (Mr. Trung) gefunden und dort eine halbtages Tour gebucht welche statt 20 Dollar Pro Person 30 kostete. Dafür konnten wir ausschlafen und Mr. Trung hat uns um 10 Uhr mit seinem Fahrer abgeholt. Schon bei der eineinhalbstündigen Fahrt zur entmilitarisierten Zone hatte sich die Tour ausbezahlt, denn Mr. Trung hat uns während der ganzen Fahrt von seinen eigenen Erlebnissen aus dem Vietnamkrieg berichtet.

Aussergewöhnlich war, dass Mr. Trung nicht gegen die USA war, da er damals für den Süden kämpfte. Er betonte oft, dass die Gräueltaten, die Minen und die schlimmen Folgen des Vietnamkreiges auf das Konto beider Kriegsparteien gehen. Allerdings muss man erwähnen, dass die Bombardierungen und der Einsatz des Giftes „Agent 13“ schon hauptsächlich den USA zuzuschreiben sind.  Besonders interessant war, dass Mr. Trung selbst nach dem Vietnamkrieg 2,5 Jahre in Kriegsgefangenschaft war und uns eindrücklich Dinge darüber erzählte.

Als erstes besuchten eine, mit einschusslöchern übersähte, Ruine einer Kirche. Im Gegensatz zur Infotafel davor, welche betonte dass die Einschusslöcher ausschliesslich  von den USA verursacht wurden, erklärte uns Mr. Trung, dass es (logischerweise) beide Kriegsparteien waren, welche für die Zerstörung zu Verantworten hatten.



Das Highlight der Tour war der Besuch eines Tunnelsystems, in welchem die Vietnamesen während des Vietnamkrieges bis zu 5 Jahre lebten. Schon bei Ankunft fiel die von Bombenkratern geprägte Landschaft auf. Durch einen der 13 Eingänge betraten wir das enge Netzwerk von Tunneln, welche mit einfachstem Werkzeug in den Lehmboden gegraben wurden. Mr. Trung konnte sich im Tunnel ohne Probleme aufrechte gehen, wohingegen wir uns stetig in gebückter Haltung fortbewegen  mussten. In den Tunnelgängen befanden sich jeweils Nischen von circa einem Quadratmeter. Mr. Trung erklärte uns, dass hier Familien während 5 Jahren lebten und sogar Babys in den Tunneln geboren wurden.



Der Tag mit Mr. Trung war sehr prägend und hat uns geholfen die Kultur Vietnams etwas besser zu verstehen. Natürlich hat Mr. Trung auch von uns 5 Sterne auf Tripadvisor erhalten.
Das Weihnachtsfest am Abend desselben Tages darf nicht vergessen werden. Zur Feier gab es ein leckeres "westliches" Essen in einem Hotel in Hue. 

Tag 7: 25.12.2014

Um 8 Uhr morgens fuhr der Bus in Richtung Hoi An. In diesem idyllischen Touristen Städtchen kamen wir dann gegen Mittag an. Am Nachmittag haben wir die Altstadt von Hoi An erkundet, doch leider regnete es die ganze Zeit. Besonderes Highlight war eine Brücke welche den mit Fischebooten überseeten Fluss überagte. Auch die Tempel und zahlreichen kleinen Strassenläden, welche Laternen, Anzüge oder sonstige Souvenirs verkauften, verliehen dem Städtchen das gewisse etwas.




Da es in Hoi An leider regnete und der Wetterbericht auch für Dalat (wo River Rafting und Plantagenbesuch geplant war) keinen Sonnenschein vorsah, beschlossen wir unseren Plan etwas zu ändern. Statt am nächsten Abend mit dem Bus 18 Stunden nach Dalat zu fahren, buchten wir einen einstündigen Flug nach Saigon  (auch bekannt al Hoh Chi Minh City) wo sonnige 30 Grad herrschen sollten. Da Vietnam ein sehr langezogenes Land ist, besitzt das Land mehrere Klimazonen. Im Norden (Hanoi) war es winterlich trocken bei 10 Grad. In der Mitte (Hoi An und Hue) war gerade Regenzeit bei 18 Grad und im Süden (Saigon) strahlte die Sonne bei 30 Grad.

Tag 8: 26.12.2014

Bevor wir  Hoi An am Abend verliessen, beschlossen wir die ländliche Gegend noch etwas zu erkunden. Glückerlicherweise hörte es am Nachmittag auf zu regnen und wir mieteten uns Scooter um das Land und die Leute hautnah zu erleben. Die von Reisfeldern und Fischern geprägte Landschaft lieferte ein eindrückliches Bild ab.




Ausserdem haben wir einen Markt entdeckt, an welchem alles angeboten wurde, was das fruchtbare Land her gab. Egal ob duftender Fisch, frisches Gemüse oder exotische Früchte - hier gab es alles zu spottpreisen. Wir nutzten die Gelegenheit und haben uns 3 kg Passionsfrüchte für 1 Dollar pro Kilo gekauft. Die folgende Woche gab konnten wir deshalb täglich köstliche Passionsfrüchte geniessen.






Wednesday, 31 December 2014

Reisebericht Vietnam Teil 1: Hanoi und Halong Bay


Nachdem das erste Semester und die ersten Prüfungen überstanden sind, haben wir uns über Weihnachten und Neujahr eine Auszeit gegönnt um Südostasien zu bereisen. In 3 Wochen möchten meine Freundin und ich zusammen Vietnam, Kambodscha und Thailand bereisen. Da wir hier sicher einiges erleben werden werde ich diese Reise auf meinem Blog dokumentieren.

Tag 1 (19.12.2015) - Ankunft in Hanoi


Ankunft in Hanoi. Per Zufall haben wir meinen Kollegen Jeff am Flughafen getroffen und sind mit ihm mit dem Taxi zum Backpackers Hostel in der Stadt gefahren. Zu unserer Überraschung feierte das Hostel genau am Tag unserer Ankunft das 10 jährige bestehen und so feierten wir am Abend das Überstehend der Prüfungen und das gemeinsame Wiedersehen.

Tag 2 (20.12.2014) - Hanoi




Etwas müde von der Vornacht schafften wir es noch vor 10 Uhr zum Frühstück. Danach machten wir uns auf den Weg, um Hanoi zu erkunden. Wir sahen die St Joseph Katedrale, welche 1886 zu Zeiten der französischen Kolonialherrschaft erbaut wurde. Danach umrundeten wir den Hoan Kiem See, in dessen Mitte sich eine Insel befindet. Auf dieser Insel bsichtigten wir den  Ngoc Son Tempel. Eine Legende besagt,  dass im 15 Jahrhundert ein von Himmel gesandter Herrscher ein magisches Schwert benutzte um die Chinesen zu vertreiben. Nach dem Krieg erschien eine goldene Riesenschildkröte und versenkte das Schwert in diesem See. 





  

 

Am Nachmittag besuchten wir das Monument von Hoh Chi Minh, den Regierungspalast und den Literatur Tempel. Letzterer bildet auch das Wahrzeichen der Stadt. 



Tag 3 (21.12.2014) - Halong Bay Tag 1

Um 07:30 klingelte der Wecker und um 8 begann die dreistündige Busfahrt nach Halong. Dort erwartete uns unser Boot, auf welchem wir die kommende Nacht verbringen würden. Nachdem wir alle unsere Kajüte bezogen hatten, legte das Boot ab und fuhr es ging rein in die Halong Bay. Die 1930 fells Inseln verleihen der Landschaft wirklich ein unvergleichbares Bild. Leider war es etwas neblig (oder smogig?) und die Sicht war nicht all zu gut.
Das Programm auf der Halong Bay Tour war  strikt durchgetaktet:
1.        
  1. Grosse Höhle besuchen mit ca. 200 anderen Touristen. Die Höhle war eindrücklich doch es tummelte von Touristen Leute und das ganze ware zu stressig.
  2. Kajak paddeln war gestrichen, da bereits alle Kajaks an die 200 anderen Touristen vergeben wurden und so ging es zu einem Strand. Dort kurz einen Berg hochgeklettert, Fotos von der Halong Bay geschossen und einen frischen Passion Fruit Saft getrunken und dann nochmal zurück zu den Kajaks. 
  3. Kajak fahren in der Dämmerung der Halong Bay war wirklich ein sehr eindrückliches Erlebnis. Vor allem, da man jetzt näher an die Fells Inseln ranpaddeln konnte.

                                                                                             
Am Abend gab es Essen auf dem Boot und danach plauderten wir mit den anderen Touristen an Board über mögliche Reiseziele in Vietnam. In der dunklen Halong Bay konnte man zahlreiche andere beleuchtete Boote sehen, was uns verriet, dass wir nicht die einzigen an Deck waren.


 Tag 4 (22.12.201) - Halong Bay Tag 2

Das Frühstück auf dem Boot hätte etwas später beginnen können, doch da wir um 08:00 Uhr bereits damit fertig waren, blieb umso mehr Zeit um die Atmosphäre der Halong Bay zu  geniessen. Diese erstrahlte jetzt in der Morgensonne und vom Nebel  war glücklicherweise nicht mehr viel zu sehen. Während das Boot uns zurück in den Hafen fuhr genossen wir die Sonne in den Liegestühlen auf dem Deck und schossen 100 Fotos der Halong Bay. Eine kleine Auswahl  davon:





Danach kehrte das Boot auch schon in den Hafen zurück und gegen Mittag sassen wir bereits im Bus zurück nach Hanoi wo wir es diesmal schafften die Water Puppet Show zu sehen. Die Water Pupper Show war wie ein Marionetten Theater im Wasser und entsprach nicht gerade meinem Geschmack. Aber da sie über 1000 Jahre alt ist, gehört das wohl mit zur Kultur. Wiederum  wurde das Abendprogramm eher kurz gehalten, da wir am nächsten Tag um 05:00 Uhr aufstehen mussten um nach Hue zu fliegen.

Wednesday, 24 December 2014

Semester Rückblick


Nach meinem ersten Semester in Hong Kong und nachdem die ersten Prüfungen endlich vorbei sind, möchte ich die Gelegenheit nutzen um einen kurzen Zwischenbericht abzustatten. Während des  ersten Semesters an der City University of Hong Kong habe ich viele interessante Dinge erlebt welche ich so kurz wie möglich zusammenfassen möchte.

Sicht auf meine Uni vom Dach eines der Gebäude


Wie es sich gehört, beginne ich mit dem Positiven.

Positives

Interessante Kurse


Einer der Hauptgründe an der City University in Hong Kong zu studieren, war der offerierte Studiengang: Wirtschaftsinformatik mit Spezialisierung auf Business Intelligence. Die Kurse erfüllen meine Erwartungen und ich konnte mein Wissen in diesem Bereich vertiefen. Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass der Unterricht hier generell viel praxisorientierter ist als an der Uni Zürich. Dies liegt vielleicht auch daran dass einige der Professoren vorher bei einer  der Big Four gearbeitet haben. Sie vermitteln nicht nur theoretisches Wissen aus den Büchern, sondern auch praktisches Wissen, welches sie im Laufe ihrer Karriere angesammelt haben. So wird man noch besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet.
Der Fokus meines Studiums: BI

Infrastruktur

Von der Infrastruktur her ist die Uni super ausgestattet. An der Uni gibt es 3 Mensen und verschiedene Kaffees. Es gibt sehr viele Räume, in denen jeder Sitzplatz mit einem Computer ausgestattet ist und Drucker, an welchen man umsonst drucken kann. Die Sportanlage der Uni ist auch gut ausgestattet und als besonderes i-Tüpfelchen gibt es ein Schwimmbecken.
Schwimmbecken der Uni


Hilfsbereitschaft                                                                                                                  

Organisatorisch gesehen ist bis jetzt an der Uni alles glatt gelaufen. Dies liegt vor allem daran, dass die Universität in administrativen Fragen von Anfang an sehr hilfsbereit war. Beispielsweise wurde Verständnis dafür aufgebracht, dass das Abschlusszeugnis einige Monate später nachgelieferet wird. Es war sogar ohne grosse Probleme möglich, (Master) Kurse anzurechnen, welche ich vorher in der Schweiz abgeschlossen hatte. Dadurch konnte ich mich ohne Pobleme auf das neue Studium einstellen und alle Fächer meiner Wahl belegen.

Essen

Das Essen in der Kantine ist gut und extrem günstig. Das billgste Menü kostet ca 2 Euro und für 5 Euro bekommt man eine köstliches „Smoked Salmon Teppanyaki“ (Lachs und Reis serviert in einer heissen Pfanne) . Allerdings  habe ich eine Weile gebraucht, bis ich die wahren Leckerbissen entdeckt  habe. Ein Paar Fehlbestellungen, wie Reis gekrönt mit Hühnerfüssen, gehörten da leider auch dazu.

Chickenfeet - hmm Lecker..

Interessantes


Es gibt einige Dinge welche mir besonders aufgefallen sind, doch am interessantesten waren sicherlich die chinesischen Mitstudenten :
Obwohl ich in Hong Kong studiere sind meine Mitstudenten zu 95% Chinesen. Der Rest der  ca. 300 Studenten sind Hong Konger, welche das Studium im Teilzeit Modus absolvieren (während des Arbeitens) und 3 Europäer (mich eingeschlossen). Dank dieser Zusammensetzung durfte ich schon viele Erfahrungen mit der chinesischen Kultur machen – postitiv sowie auch negativ.

„Good good study, day day up“ Diese wörtliche Übersetzung eines chinesischen Sprichwortes entspricht dem Motto der meisten chinesischen Mitstudenten an der Uni- den ganzen Tag lernen führt zum Erfolg. Deshalb verbringen die meisten Chinesen den Grossteil ihrer Freizeit in der Bibliothek der Uni. Paradoxerweise widerspiegelt sich dies nicht immer in der Qualität ihrer Arbeit. Dies durfte ich in den zahlreichen Gruppenprojekten erleben, die es in wirklich jedem Kurs abzuschliessen gilt.
Bei diesen Gruppenarbeiten muss man meist eine Arbeit zu einem bestimmten Thema schreiben. Dabei kam es oft vor, dass die Kapitel, welche meine chinesischen Mitstudenten geschrieben haben, genau dem entsprechenden Wikipedia Eintrag zu dem Thema entsprachen (dies viel am deutlich besseren English auf). Obwohl von der Uni bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen wird, das Plagiate nicht erlaubt sind, gehen die Chinesen scheinbar oft lieber den kürzesten Weg.

Team bei der Arbeit
Nach diesen ersten bitteren Erfahrungen, wurde mir bewusst, dass die Gruppenarbeiten deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würden als gedacht. Mit der richtigen Motivation des Teams, wöchentlichen Meetings, klarer Aufgabenverteilung und Deadlines endeten schlussendlich jedoch alle Gruppenarbeiten in einem Erfolg. In einem Kurs erhielten wir die Auszeichnung als „Best Presenting Team“ und die Arbeit wurde als einzige für „Outstanding University Papers“ nominiert. 


Demostrationen in Hong Kong


Es muss natürlich erwähnt werden, dass ich zu einer sehr turbulenten Zeit in Hong Kong studiere, denn von Oktober bis Dezember gab es in Hong Kong zahlreiche Studenten Proteste. Daran habe ich zwar nie aktiv teilgenommen, doch es war interessant zu beobachten, wie dies meine Kollegen in Hong Kong und die Mitstudenten beeinflusste:
Die chinesischen Mitstudenten haben sich alle aus den Protesten raus gehalten, zum einen weil sie zu beschäftigt mit ihrem Studium waren und zum anderen aus Furcht vor der chinesischen Regierung. Einige Studenten berichteten mir sie würden sich davor fürchten, nie mehr aus China ausreisen zu dürfen, falls sie mit den Protesten in Zusammenhang gebracht würden.
Die Hongkonger hingegen stimmten mit den Protesten überein und nahmen daran zum Teil auch aktiv Teil.
Strassenblockade in Mong Kok

Gegen Ende der Proteste flatterten immer mehr Emails des Dekanats in meinen Posteingang mit Warnungen sich von den Protest Orten fern zu halten, da die Polizei diese räumte und viele Leute dort verhaftete. Mittlerweile sind die Protest Zentren geräumt und die Lage hat sich etwas beruhigt. Ich bin jedoch gespannt ob während des nächsten Semesters weiterhin Demonstrationen stattfinden werden.

Einer der letzten Protestorte: Besetzte Kreuzung in Mongkok

Friday, 24 October 2014

Lustige Erscheinungen an der Uni

Es war vor circa einem Monat, als mir das erste Mal etwas eigenartige Gestalten an der Uni auffielen. Diese hielten sich meist in der Haupteingangshalle auf und traten in Form von Videospielfiguren, Minions, Pokemons oder sonsitgen asiatischen Comichelden auf. Zuerst dachte an der Uni findet eine  Art Kostümfest statt. Oder vielleicht beginnt der Karneval hier bereits im Oktober?

Ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen, soviele wie möglich dieser verkleideten Studenten zu fotografieren, welche sich darüber übrigens sehr freuten.







Nachdem immer mehr verkleidete Studenten auftauchten, machte ich mich daran herauszufinden, was es mit diesen Verkleidungen auf sich hat. Nach Small Talk mit Pokemons und Counterstrike Soldaten fand ich heraus, dass es hierbei um die Wahl des Studienrates ging. Anscheinend kann von jedem Lehrstuhl (Business, Engineering, Sociel Sciences etc. ) ein Student in den Studienrat gewählt werden. Und da es an jedem Lehrstuhl zahlreiche Vereinigungen gibt, betreieben die Studenten kräftig Wahlkampf – mit allen Mitteln.




Was mich diese Montag morgen an der Uni erwartete übertrief jedoch alles zuvor erlebte. Die erste Welle von M&M’s erwartete mich vor dem Eingang der Uni. 


Nachdem ich die Rolltreppe in die Haupthalle hinauffuhr (Treppen wurden in Hong Kong grösstenteils durch Rolltreppen ersetzT) erwartete mich die zweite Welle. Links und rechts von mir, reihten sich die verschiedenen Parteien auf und riefen sich  gegenseitig (oder mir?)  Parolen zu. Leider konnte ich mit meinem begrenzten Kantonesisch (Hallo, wie geht’s, Tee) nicht herausfinden, wovon diese Wahlkampfslogans handeln.



Jetzt frage ich mich nur noch wen ich wählen soll - ich glaube diejenigen mit dem Aufwändigsten Kostümen :)

Sunday, 28 September 2014

Demonstrationen in Hong Kong



Mittlerweile hat sicher jeder von den Demonstrationen in Hong Kong in den Nachrichten gehört. Ich möchte die Lage vor Ort kurz schildern und einige Einblicke geben, was ich davon mitbekommen habe.

Um was geht es eigentlich bei der ganzen Sache?

Um Demokratie.  Seit die Kommunistische Partei in Peking am 31.08.2014 bekannt gab, dass es 2017 keine direkten Wahlen geben wird, sind viele Hongkonger sehr enttäuscht. Unter dem Slogan „One country, two systems“ hatte man hier lange Hoffnung irgendwann unter einer direkten Demokratie leben zu können. Man wird die Kandidaten 2017 jedoch nicht direkt wählen können, sondern nur aus einer Liste von Kandidaten, welche von Peking abgesegnet sind.

Wie erlebt man die Demonstrationen hier?

Bis vor kurzem habe auch ich von den Demonstrationen immer nur in den Nachrichten gehört. Viel mitbekommen hatte ich davon im Alltag nicht. An der Uni hängen zwar schon seit 2 Wochen Flyer und Plakate mit chinesischen Zeichen und Aufruf zum Streik, aber viel davon gesehen habe ich nicht. Auffällig war, dass viele Plakate die Aufschrift 922 trugen um auf einen grösseren Streik am 22. September hinzuweisen. Wie ich gelesen hatte fand dieser an der Chinese University of Hong Kong statt aber an unserer Uni ging der Unterricht wie gewohnt weiter.

Banner an der Uni


Was denken die Studenten?


Ich habe mit einigen Studenten an der Uni über die Demonstrationen gesprochen und wollte wissen, wie sie dazu stehen. Hier gehen die Meinungen stark auseinander: Die Studenten welche aus China stammen und (wie ich) nur des Studiums wegen in Hong Kong wohnen, halten sich aus diesen Angelegenheiten raus. Sie haben mir mitgeteilt, sie hätten mit dem Studium genug zu tun, und hätten keine Zeit auch noch zu demonstrieren. Das passt ziemlich gut zu dem Bild, was ich von den chinesischen Studenten habe. Die Hongkonger Studenten, welche hier aufgewachsen sind, sehen das etwas anders. Sie unterstützen die Demonstrationen, und viele davon nehmen auch daran teil. Sie möchten sich für eine direkte Demokratie einsetzen und nicht von China kontrolliert werden. Jedoch haben sie Respekt vor der Polizei.

Wie war die Lage heute?

Heute habe ich das erste mal etwas mehr von den Demonstrationen mitbekommen. Da ich am Abend noch zum Essen im Zentrum verabredet war, habe ich live miterlebt wie die Demonstrationen den Verkehr lahm gelegt haben. Ich habe versucht irgendwie mit dem Taxi oder der Metro ans Ziel zu kommen, doch die Strassen waren grösstenteils blockiert. Auch die nächst nahe gelegene Metrostation (Admiralty), war geschlossen, um die Demonstranten besser unter Kontrolle zu haben. Ich habe die Demonstrationen am Rande etwas beobachtet und mit einigen Demonstranten gesprochen. Diese freuen sich immer wenn ein Ausländer Interesse an der Lage zeigt und bitten mich allen davon zu berichten. Ich habe Ihnen versichert, dass das Thema weltweit in den Nachrichten kommt.

Demonstranten blockieren die Strasse



















Im Finanzdistrikt im Zentrum hatte sich die Lage schon seit heute Nachmittag zugespitzt. Dort kam es zu Ausschreitungen zwischen den Demonstranten und der Polizei und es wurde Tränengas eingesetzt. Als ich gegen Abend dort war, war es zum Glück ruhig, doch die Leute waren sehr angespannt. Die Studenten haben auf den Strassen Barrikaden errichtet und sich gegen das Tränengas gewappnet. Dort wo ich mich aufhielt, verhielt sich die Polizei zurückhaltend. Einige Leute berichteten mir jedoch, dass an anderen Orten bereits wieder Tränengas zum Einsatz kam. Nachdem ich mir ein Bild von der Lage gemacht hatte und mir klar wurde, dass ich heute mit dem öffentlichen Verkehr nicht mehr an mein ursprüngliches Ziel kommen würde, begab ich mich auf den nach Hause Weg. Zu sehr möchte ich lieber nicht in die Sache verwickelt werden.



Barrikaden werden errichtet

kein Durchkommen für den Verkehr



Monday, 15 September 2014

Wieso man in Hong Kong 3 Schlösser braucht



Schon beim Einzug in unserer Wohnung habe ich mich gefragt, wofür die vielen Schlösser an unserer Tür gut sind. Zuerst muss man ein massives Gitter aufschliessen und beiseite schieben, bevor man Zugang zu den zwei weiteren Schlössern an der Tür bekommt. Nachdem diese zwei Schlösser geöffnet sind, kommt man endlich in die Wohnung. Dank einer netten Erfahrung kürzlich, habe ich jedoch verstanden, wieso wir 3 Schlösser brauchen..



Damit die Geschichte Sinn ergibt, muss ich vielleicht erklären, dass man eines der Schlösser (den unteren Knubbel an der Tür) von innen verriegeln kann, indem man den Knopf reindrückt. Danach kann man einfach die Türe hinter sich schliessen und immerhin eines der drei Schlösser ist bereits verriegelt.  Dieser praktische Mechanismus bringt natürlich auch einige Risiken mit sich, vor allem wenn man nach dem zuknallen der Tür bemerkt, dass sich der Schlüssel eigentlich noch in der Wohnung befindet. So geschehen vor ein paar Tagen...

Mit grossem hunger habe ich die Wohnung verlassen, um mir unten im Einkaufszentrum irgendwo etwas Essbares zu kaufen. Nachdem die Tür hinter mir ins Schloss fiel, kam der übliche Gedanke:" Moment, habe ich vielleicht irgendwas vergessen?". 3 Taschen Check: Hinten rechts -> Porte Monnaie: check, vorne rechts -> Handy - check, vorne links -> Schlüssel...

Sofort machte ich mich auf dem Weg zum Schlosser, welcher uns das Schloss nach dem Einzug ausgewechselt hatte, doch Samstag Abend hatte dieser leider bereits geschlossen. Also zurück zur Wohnung und den Security in der Lobby ob er mir vielleicht helfen könne. Natürlich spricht der nur chinesisch und musste erst mal mit dem Walkie Talkie seinen englisch sprechenden Kollegen heran zitieren. Ich dachte mir in der Zwischenzeit versuch ich mir selbst zu helfen, ganz nach dem Motto "Mach's Dir selbst sonst macht's Dir keiner!". 

Mein Plan war, das von innen verschlossene Schloss irgendwie aufzubrechen, damit ich wieder in die Wohnung komme. Es wären dann ja immer noch zwei Schlösser übrig um die Wohnung wieder ab zu verschliessen. Zum Glück war unsere freundliche Nachbarin sofort bereit mir Hammer und Schraubenzieher zu leihen.



Also versuchte ich mein Gück: Mit Hammer und Schraubenzieher hämmerte ich auf das Schloss ein. zuerst stiess ich einen kleineren Schraubenzieher in das Schloss. Nachdem die ersten Teile heraus brachen, erledigte ich den Rest mit einem grösseren Schraubenzieher. Erstaunlicherweise dauerte es keine fünf Minuten und das Schloss war aufgebrochen. Doch zum Glück haben wir ja drei Schlösser, das würde dann total knapp 15 Minuten dauern um in die Wohnung zu kommen und in dieser Zeit würde wohl hoffentlich jemand das hämmern bemerken. 
Ein weiterer Vorteil der dreifachen Verriegelung: Wenn man den Schlüssel vergisst und ein Schloss zerhämmern muss, hat man immer noch zwei um die Wohnung ab zu schliessen.




Am nächsten morgen machte ich mich auf zum Schlosser und kaufte ein neues Schloss für 45 HK$ ( circa 5 Euro). Allerdings war ich diesmal nicht mehr so erstaunt, wieso das Schloss so günstig ist.